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  Letze Aktualisierung: Donnerstag, 22.06.2006
 
 
  Inhalte dieser Seite:
    AGS - Eine Cortisonmangelerkrankung
Der Kreislauf zwischen Nebennierenrinde, Hypophyse und Hypothalamus

Der gestörte Rückkoppelungseffekt beim AGS
Darin liegt also der Teufelskreis...
Wirkung und Nebenwirkungen von Cortison
Cortison und "Wasser" (in den Beinen)
Übergewicht

     

  Querverweis
    Artikel zum Thema "Cortison" finden Sie auch auf der Seite "Info-Download" (zu finden in der Navigation links).
     

  AGS - Eine Cortisonmangelerkrankung*
   

AGS-Patienten fehlt ein Enzym und deshalb kann kein Cortison produziert werden.

Enzyme:
Man könnte die Enzyme vielleicht mit kleinen Fabrikarbeitern vergleichen. Jeder dieser Fabrikarbeiter führt eine einzige Tätigkeit aus, schraubt z. B. ein einziges Teilchen an das Werkstück.
Damit das Endprodukt dieser Herstellung, in unserem Fall also das Cortison, auch wirklich funktioniert, darf kein Teilchen daran fehlen, darf also keiner der Fabrikarbeiter ausfallen. Fällt doch einer der Arbeiter aus und keiner vertritt ihn, wird das Werkstück mangelhaft, es wird Ausschluss produziert und das Werkstück funktioniert nicht.

Der "Fehler" beim AGS:
Bei der Erkrankung AGS fehlt eines dieser Enzyme (meist 21-Hydroxylase) oder ist defekt. Die "Enzym-Arbeiter" vor dieser Fehlstelle arbeiten fleißig weiter und es wird dadurch viel zu viel 17-OH-Progesteron hergestellt, das nicht weiterverarbeitet werden kann. (Das 17-OH-Progesteron kann man im Blut und im Speichel messen und ist ein Zeichen, dass man AGS hat.)
Weil der Körper nicht weiss, was er mit dem vielen 17-OH-Progesteron machen soll, sucht er sich zwei Lösungswege:
1. Ein großer Teil wird zu Pregnantriol umgewandelt und über den Urin ausgeschieden (das Prägnantriol kann man im Urin messen => 24-Stunden-Sammelurin)
2. Es werden Androgene produziert.

Das Problem beim AGS ist also:
Man hat viel zu wenig Cortison (und ggf. auch viel zu wenig Aldosteron) und viel zu viele Androgene und damit auch Testosteron.

     

  Der Kreislauf zwischen Nebennierenrinde (siehe "Nebennieren"), Hypophyse und Hypothalamus (siehe "Gehirn")*
   

Wenn wir bei dem Fabrikbeispiel bleiben, dann hat diese Firma auch einen "Chef". Dieser sitzt im Gehirn und heißt Hypothalamus. Der Hypothalamus ist ein Teil des Zwischenhirns und bei der Steuerung übergeordneter Dinge, wie Schlaf- Wachrythmus, Hunger, Durst oder Sexualverhalten mit beteiligt.
Die Hirnanhangsdryse (=Hypophyse) wirkt als "Vermittler" (in unserem Beispiel der Werksleiter) zwischen Hypothalamus und Nebennierenrinde. Normalerweise besteht zwischen Hypothalamus, Hirnanhangdrüse und Nebennierenrinde ein Rückkopplungseffekt.

D.h. ganz kurz und einfach ausgedrückt:
Der Hypothalamus erhält die Meldung, dass zu wenig Cortison im Blut ist (z. B. bei Stress,...). Er treibt dann über die Hirnanhangdrüse die Nebennierenrinde dazu an, sofort wieder mehr zu produzieren. Ist genug Cortison im Blut, hört er auf, sie anzutreiben.

     

  Der Gestörte Rückkopplungseffekt beim AGS
   

Die Nebennierenrinde wird also (von der Hirnanhangdrüse durch den Stoff ACTH) dazu aufgefortert, mehr Cortison zu produzieren, kann sie bei AGS aber nicht. Ihr fehlt (wie oben bereits erklärt) leider das Enzym, das zur Herstellung des Cortisons nötig ist.

D. h. die Arbeit der Nebennierenrinde wird zwar gesteigert, es wird auch etwas produziert, aber eben kein Cortison.
Hypothalamus und Hirnanhangsdrüse erhalten keine Rückmeldung und fordern somit immer weiter auf, Cortison zu produzieren. Die Nebennierenrinde arbeitet in Wirklichkeit aber wie eine Wilde, vergrößert sich und strengt sich an - aber sie produziert das falsche: Vorstufenprodukte und Androgene.

     

  Darin liegt also der Teufelskreis:
   

Kein anderes Hormon außer Cortison kann die Forderung des Hypothalamus an die Hirnanhangdrüse "Die Nebennierenrinde soll arbeiten und Cortison produzieren!" stoppen. Solange dieser also kein Cortison erhält, werden weiter Vorstufenprodukte und Androgene erzeugt.

Erst wenn das fehlende Cortison von außen zugeführt wird, kann dieser Teufelskreis durchbrochen werden.

(Erfahrung: dashalb nutzt es auch durchaus noch, Cortison zu nehmen, nachdem man Stress hatte (schließlich lässt sich nicht jeder Stress vorplanen) - einfach um die Produktion in der Nebennierenrinde wieder zu stoppen!)

     

  Wirkung und Nebenwirkungen von Cortison:
   

Die Ausschütung von Cortison erfolgt (bei einem gesunden Menschen) früh am morgen, in Schüben.

Erfahrung: Die hier genannten Nebenwirkungen trefen auf, wenn der Körper mehr Cortison zur Verfügung hat, als er eigentlich benötigt, also zum Beispiel auch bei einer Hydrocortison-Überdosierung auf längere Zeit (beginnend ab 3 Tagen, zu diesem Zeitpunkt "gewöhnt" sich der Körper bereits an die Cortisongabe und zeigt Entzugserscheinungen, wenn man ihm plötzlich weniger zuführt - wie bei einem Drogenentzug).

Wirkung:
Erhöhung des Blutzucker-Spiegels
Anabole Wirkung auf die Leber
hemmende Wirkung auf das Immunsystem

Nebenwirkungen:
Schädigung der Magenschleimhaut (Gastritis, Ulcera)
Stammfettsucht (anabole Wirkung auf Fettgewebe)
Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
Osteoporose, wegen kataboler Wirkung auf Skelettmuskul.

     

  Cortison und "Wasser" (in den Beinen):
   

Einige Stoffe, z. B. Cortison, sorgen dafür, dass mehr Lymphe aus den Adern austritt als wieder in die Blutbahn zurück geleitet werden kann. Die übrig bleibende Lymphe sammelt sich entweder in Bereichen, die besonders tief liegen, weil sie natürlich nach unten sickert ("Wasser in den Beinen", "geschwollene Gelenke" u.ä.) oder in weichen Geweben, die wie Schwämme die Flüssigkeit speichern (z. B. die inneren Bereiche der Oberschenkel). **

Cortisol und Corticosteron regen die Zerstörung von Lymphozyten an. Lymphknoten, Thymus und Milz werden verkleinert.***

     

  Übergewicht:
   

Prinzipiell lässt sich sagen, dass nicht alle late-onset-AGS Patienten übergewichtig sind. Ist dies der Fall, können verschiedene Ursachen vorliegen.

a) verordnete Cortisondosis
Falls Übergewicht in Form von Wasser (nicht Fett!) vorliegt ist zu vermuten, dass der Körper selbst Cortison produziert oder die verordnete Dosis zu hoch ist.

b) Cortisonverteilung über den Tag
Ist zugeführtes Cortison im Körper nicht vorhanden wenn dieser es braucht, produziert die Nebennierenrinde es selbst. Dies führt zu Wassereinlagerungen und folglich zu Übergewicht. Es ist daher wichtig, die Cortisoneinnahme auf den Aktivitätsrhytmus anzupassen.

c) Tagesrhytmus
laut Dr. Bergholz (Uni-Klinik Erlangen) ist es als late-onset AGS Patient äußerst wichtig, bis 24:00 Uhr ins Bett zu gehen und zu schlafen. Dies kann aufgrund von Erfahrungen bestätigt werden. Bleibt man häufiger lange auf, wird Wasser im Körper eingelagert und es kommt wiederum auf Dauer zu Übergewicht.

d) Ernährung
Late-onset AGS Patienten reagieren verstärkt (nicht wissenschaftlich belegt) auf Umweltgifte. Diese werden in erster Linie durch Eiweiße und Salze in den Körper eingeschleust. Es gilt daher, auf diese beiden besonders zu achten. Aus eigener Erfahrung verfüge ich seit dieser Ernährungsumstellung über deutlich mehr Energie und Lebenslust.
Eiweiß:
Es scheint (nicht ärztlich bestätigt), dass Personen, die Cortison nehmen, viel stärker auf die Zufuhr von tierischem Eiweiß reagieren, als dies gesunde Personen tun.
Wenn man sich etwas genauer informiert stellt man fest, dass die meisten Deutschen heute viel mehr tierisches Eiweiß zu sich nehmen, als ihnen gut tut. Man spricht hierbei von der sog. "Eiweiß-Mast". Im Durchschnitt nehmen wir Deutschen ca. 120g Eiweiß pro Tag zu uns. Laut Studien ist eine Menge von ca. 70g (für einen Menschen mit 70kg) völlig ausreichend, um keine Mangelerscheinungen zu bekommen.
Für Kinder ist eine eiweißreiche Kost durchaus sinnvoll, denn immerhin müssen diese noch wachsen. Für Personen, die im Speziellen Cortison nehmen müssen, scheint es jedoch sinnvoll, sich vegetarisch zu ernähren und auf einen allzu großen Konsum von Milchprodukten zu verzichten (wenn Sie Milch - so wie ich - lieben, lesen Sie unter unten weiter).
Hier ist ist das Dokument "Auswirkungen einer Eiweißreichen Ernährung ..." zu finden.
Salze:
Salz ist in äußerst vielen Lebensmitteln enthalten. Hier meine ich nicht nur das ganz offensichtliche Speisesalz, sondern auch alle anderen Natrium-Verbindungen. Ich empfehle AGS-Patienten auf eine besonders gute Qualität des Natriums zu achten, das sie zu sich nehmen. Vermeiden Sie im Speziellen:
- industriell verarbeiteten Produkten
- Natriumglutamat (z. B. in Sojasauce, Chips,...)
- Backpulver (z. B. Kuchen, Kekse,...)
- Milchprodukte aus konventioneller Erzeugung.
- Spritz- oder Düngemitteln
- Alle "gebleichten" Dinge (Salz, Waschmittel,...).

     
 
Quellen- und Literaturangaben:
* Nach Eva Kraus (Broschüre der AGS Eltern- und Patienteninitiytive e.V.): Was Sie schon immer über AGS wissen wollten, Buchholz 1994, S. 12ff.
** http://www.bblex.de/online/nahrung/kreatin_funktion.php
*** aus Bartels/Bartels: Physiologie. In: http://www.studiserver.de/bioonline/18072000.html#3